Horace Walpole über die Krönung


An George Montagu, Esq.

Arlington Street, 24. Sept. 1761.

... Gesegnet seien alle Ihre Sterne, daß Ihr König weder verheiratet noch gekrönt wird. Alle Weine Bordeauxs, und aller Dunst in irischen Gehirnen kann keine Stadt so trunken machen wie eine königliche Hochzeit oder Krönung... Die Menschenmengen, Balkons, Wachen und Prozessionen haben den Palasthof zum lebhaftesten Spektakel der Welt gemacht; die Halle war am prächtigsten. Das Strahlen der Lichter, der Reichtum und die Vielfalt der Gewänder, das Zeremoniell, die Bänke der Peers und ihrer Gemahlinen, viele und voll, waren so erhebend wie nur ein historischer Aufzug sein kann: und doch, um des Königs und meiner selbst willen, möchte ich niemals einen weiteren erleben oder Lord Effinghams Versprechen voller Ungeduld erfüllt sehen. Der König beklagte sich, daß so wenig Vorgänge für die Krönungsprotokolle vorlägen. Lord Effingham entgegnete, daß das Amt des Earl Marschalls merkwürdig vernachlässigt worden sei, daß aber die nächste Krönung in der exaktesten Weise vorstellbar ablaufen würde ...


An den Ew. H. S. Conway

Arlington Street, 25. Sept. 1761

Die Krönung is vorüber: s'war sogar noch prächtiger als ich es mir vorgestellt hatte. Ich sah die Prozession und die Halle; aber die Rückkehr war im Dunkeln. Am Morgen hatten sie das Staatsschwert, die Sessel für den König und die Königin und deren Baldachine vergessen. Für das erste benutzten sie das Schwert des Lord Mayors, und die letzteren machten sie in der Halle: so begannen sie nicht vor Mittag; and dann, als ein unweises Kompliment für den König, warteten sie mit der Illuminierung der Halle bis zu seinem Eintritt; dadurch kamen sie an wie bei einem Begräbnis, und nichts war zu erkennen als die Federbüsche der Ritter des Bathordens, welche der Leichenwagen zu sein schienen ... Von allen Vorfällen des Tages war der belustigendste derjenige, der der Königin passierte. Man hatte eine Toilettenkammer hinter dem Altar eingerichtet, mit allen Annehmlichkeiten. Sie begab sich dorthin -- aber was fand sie in dem annehmlichsten -- den Herzog von Newcastle! ...

... Die Königin war in der Oper, und sagt, sie wird einmal in der Woche dorthin gehen. ... Die Menge in der Oper und im Schauspiel, wenn der König und die Königin dort sind, ist etwas größer als ich erinnere.


Auszüge aus: The Letters of Horace Walpole, Earl of Orford. London, 1840. Bd. 4, S. 171-179.


Weitere Informationen über die deutsche Ausstellung.
Zurück zur Home Page.
Maintained by: jcooper@virginia.edu
Last Modified: Thursday, 5-Nov-98
© Jean L. Cooper and Angelika S. Powell