Der Bericht des Ew. Horace Walpole über die Hochzeit


Auszug aus einem Brief an den Ew. H.S. Conway, 9. Sept. 1761


Der Tag meines Versprechens ist nun da, und ich löse es ein -- mit großer Genugtuung, denn die Königin ist hier; ich habe sie gesehen, bin ihr vorgestellt worden -- und mag nun nach Strawberry zurückkehren. Die letzten vierzehn Tage habe ich auf der Straße zwischen Twickenham und London verbracht: ich kam, wurde ungeduldig, kehrte um; kam wieder, immer noch ohne Zweck. Die Segelschiffe erreichten die Küste von Suffolk am letzten Samstag, am Sonntag segelten sie in die Straße von Harwich, und am Montag morgen landete der Haupteunuch des Königs, wie der Gesandte aus Tripolis Lord Anson nennt, die Prinzessin. Sie blieb in dieser Nacht bei Lord Abercorn in Witham, dem Palast des Schweigens; und gestern, ein viertel nach drei, erreichte sie St. James's.

Innerhalb einer halben Stunde hörte man nichts als Ausrufe über ihre Schönheit: alle waren zufrieden, alle entzückt. Um sieben ging man zu Hofe. Die Nacht war schwül. Gegen zehn bewegte sich die Prozession in Richtung der Kapelle, und um elf kamen sie alle in den Empfangssalon. Sie sieht sehr vernünftig aus, vergnügt und bemerkenswert vornehm. Ihre Diamantentiara war sehr schön, ihr Mieder prächtig; ihr violetter Umhang mit Hermelin so schwer, daß die Zuschauer über ihre obere Hälfte eben soviel wußten wie der König selbst.

Sie werden keinerlei Zweifel haben über ihren Verstand, wenn ich Ihnen das folgende erzähle. Während der Fahrt wurde vorgeschlagen, daß sie ihr Toupet kräuseln solle: sie erwiderte, sie denke, daß sie ebenso gut aussehe wie die Damen, die ausgesandt waren, sie abzuholen; sollte der König es gebieten, würde sie eine Perücke tragen, ansonsten würde sie so bleiben wie sie sei. Als sie des Palastes zuerst ansichtig wurde, bekam sie Angst und erbleichte; die Herzogin von Hamilton lächelte -- die Prinzessin sprach darauf: "Meine liebe Herzogin, Sie mögen lachen, Sie waren schon zweimal verheiratet, aber für mich ist es kein Scherz." Ihre Lippen zitterten, als die Kutsche anhielt, aber sie sprang beschwingt hinaus und hat seitdem alles mit guter Laune und Frohsinn getan.

Sie spricht sehr viel -- ist angenehm, höflich und nicht aus der Fassung zu bringen. Zuerst, als die Brautjungfern und der Hofstaat ihr vorgestellt wurden, rief sie aus: "Mon Dieu, il y en a tant, il y en a tant!" ("Mein Gott, es sind soviele!") Es gefiel ihr, die Gemahlinnen der Peers zu küssen, aber Lady Augusta sah sich gezwungen, ihre Hand zu nehmen und sie denen zu reichen, die sie küssen sollten, was schön bescheiden und wohlwollend war. Während man auf das Super wartete, setzte sie sich, sang und spielte. Ihr Französisch ist erträglich, sie unterhielt sich viel in dieser Sprache und auf deutsch mit dem König, dem Herzog und dem Herzog von York. Sie zogen sich erst um zwei Uhr zurück.

Heute war ein Empfang: jeder wurde ihr vorgestellt; aber sie sprach mit niemandem, da sie keine Seele kennt. Die Gesellschaft war kleiner als an einem Geburtstag, die Pracht nur wenig mehr. Der König sah sehr stattlich aus und sprach fortwährend mit ihr in bester Laune. Es verspricht nicht, daß diese beiden die zwei unglücklichsten Personen Englands werden durch dieses Ereignis.


Auszüge aus: The Letters of Horace Walpole, Earl of Orford, Bd.4 (1759-1764). London, 1840. S. 169-171.


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Last Modified: Thursday, 5-Nov-98
© Jean L. Cooper and Angelika S. Powell