Aus Königin Charlottes Briefen


Obgleich die königliche Familie immer der Öffentlichkeit ausgesetzt war, führte Königin Charlotte selbst ein sehr privates und beschütztes Leben. Nur ihre mehr als 440 Briefe an ihren jüngeren Bruder, Großherzog Karl II. von Mecklenburg-Strelitz, ihren einzigen Vertrauten, erlauben einen Blick in ihre innersten Gedanken, ihre tiefe Frömmigkeit, intellektuellen Interessen, künstlerischen Betätigungen und ihre lebenslange Anteilnahme an den Familiengeschichten der europäischen Hocharistokratie. Königin Charlotte hatte, als sie die Gemahlin Georgs III. wurde, versprochen, sich niemals in die Politik einzumischen, aber eine ganze Anzahl ihrer Briefe haben die amerikanische Revolution zum Thema und das Schicksal der deutschen Söldner unter den britischen Truppen, die nach Amerika verschifft wurden, um gegen die Rebellen zu kämpfen. Nur einige wenige Briefe erwähnen die fortschreitende schwere Krankheit des Königs, und wenn sie über ihr eigenes Heimweh und ihre Depressionen schreibt, beschwört sie ihren Bruder, nichts darüber verlauten zu lassen. Ein weiteres, immer wieder auftauchendes Thema in ihren Briefen ist ihre Sparsamkeit. Besonders, wenn sie ihren Bruder bittet, gewisse Dinge in Deutschland für sie zu besorgen, ermahnt sie ihn, vorsichtig mit dem Geldausgeben zu sein. Ein weiterer Brief zeigt ihre verständliche Ungehaltenheit über ihren älteren Bruder, Adolf Friedrich IV., den regierenden Herzog von Mecklenburg-Strelitz und seine reichlich absurde Forderung, daß seine Schwester, die Königin Großbritannien, seine beträchtlichen Haushaltsschulden (Schatull-Schulden) begleichen solle.

Ihre Briefe sind im typischen Hof-Französisch des 18. Jahrhunderts geschrieben, mit vielen deutschen Einstreuungen. In beiden Sprachen benutzt Königin Charlotte ihre eigene besondere Grammatik und Buchstabierung. Wir haben Kursivschrift verwendet für ihre Unterstreichungen von Worten und Sätzen. Alle deutschen Zitate und Sätze in ihren französischen Texten sind in Fettdruck wiedergegeben. Um das Interesse des Lesers wachzuhalten, haben wir nur die wichtigsten Teile der hier ausgewählten Briefe übersetzt.

Wir möchten dem Mecklenburgischen Landeshauptarchiv für die großzügige Erlaubnis danken, Auszüge aus Königin Charlottes Briefen in dieser Ausstellung zu zitieren.



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Last Modified: Monday, November 10, 2003
© Jean L. Cooper and Angelika S. Powell