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Queen Charlotte on Christian Faith and Private Morality


[8 November 1774] -- Sir, my dearest brother. A thousand thanks for the book of Mr. Gellert. I believe if there ever was a saint on this earth it would have to be him. The greatest libertine could not read this book without becoming good himself, and what effect it must have on those who contemplate it deeply. As for me, dear brother, I can assure you that not a single letter which you have marked for me has failed to make me feel good all day, and each time I read his Moral Writings and Spiritual Odes my Christian faith reaffirms itself. The fear and terror at the approach of his death and yet his trust in God are exquisitely beautiful. The advice he gives to his discouraged friend with the comforting words: Rejoice, and again I say to you Rejoice! is so encouraging and so comforting and so exciting that I might almost say that after reading it I thought of myself of being in higher and better worlds than the moment I now worry about. Alas, how many unrecognized blessings do we not all enjoy in our appointed station? I wished I would be able to recognize mine, but that degree of perfection I have not been able to obtain, being quite human. I am hopeful, however, that with God's help I shall gain a good conscience. To my infinite consolation, there is a contentment which the world can neither give nor take away from me. I assure you on my honor, dear brother, that each day I pass in this world, I discover, little by little, that the Royal Crown and the title of Majesty do not bear comparison with that of a Christian. The latter not only furnishes me with but also commands me to fulfil the duties of humanity. As to the first, what illusion, dear brother! My heart is full of desire, yet my pen does not dare to express it. You will understand, not doubt, and excuse my reflections which are perhaps too long but not less true. By God, you yourself are the cause of the long letter. I am all yours. I embrace the dear Princess.

Charlotte



Königin Charlotte über Christlichen Glauben und Persönliche Moral


[8. November 1774] -- Monsieur, mein teuerster Bruder. Tausend Dank für das Buch von Herrn Gellert. Ich glaube, wenn es jemals einen Heiligen auf dieser Erde gegeben hat, so muß er es gewesen sein. Der größte Freigeist könnte dieses Buch nicht lesen ohne ein guter Mensch zu werden, und was für einen Eindruck muß es auf diejenigen machen, die tief darüber nachdenken. So weit es mich angeht, lieber Bruder, kann ich Sie versichern, daß nicht ein einziger der Briefe, die Sie für mich angemerkt haben, es verfehlt hat, daß ich mich den ganzen Tag wohlfühlte, und jedesmal, wenn ich seine Moralischen Werke und Geistlichen Oden lese, festigt sich mein christlicher Glaube. Die Furcht und schrecken in der Näherung seines Todes und doch sein Vertrauen auf Gott ist Vortreflich schön. Den ertheilten Rath an seinen Niedergeschlagenen Freunde mit die trostreichen Worte Freuet euch und abermals sage Ich freuet Euch ist so ermuntert und so tröstlich und so reitzend daß ich fast sagen mögte weil ich es las ich dachte mich in höheren und beßeren Welten den Augenblick den welche ich jetzt bange. Ach, wie viele unerkante Wohltaten genießet nicht ein jeder in seinem Stande. Die meinigen wünschte ich völlig erkennen zu können, zu dem grad der Perfection kan ich aber Menschlicher weise nach nicht hinreichen. Durch Gottes beystand aber hoffe ich aber mich eines guten Gewißens zu befleißigen. Daß ist eine Zufriedenheit die mir zwahr die Welt nicht geben kan, aber auch zu meinem unendlichen Troste nicht benehmen kan. Ich versichere Sie, lieber Bruder, bei meiner Ehre, daß ich jeden Tag, den ich in dieser Welt verbringe, mehr und mehr entdecke, daß die Königskrone und der Titel Majestät den Vergleich mit dem eines Christen nicht aushalten. Der letztere liefert mir nicht nur sondern befiehlt mir auch die Pflichten der Menschlichkeit zu erfüllen. So weit es den ersten angeht, welche Illusion, lieber Bruder! Mein Herz sehnt sich, aber meine Feder wagt nicht, es niederzuschreiben. Sie verstehen, ohne Zweifel, entschuldigen Sie meine Gedanken, die vielleicht zu lang sind, aber nicht weniger wahr. Mein Gott, Sie selbst sind der Grund dieses langen Briefes. Ich bin ganz die Ihrige. Ich umarme die teure Prinzessin.

Charlotte


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Last Modified: Thursday, 5-Nov-98
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